Der Suppenverzehr in Deutschland
Die Suppe gehört zu den traditionsreichsten und beliebtesten
Nahrungsmitteln auf dem menschlichen Speiseplan. In Deutschland werden
im Jahr über 100 Teller Suppe pro Kopf verzehrt. Doch noch nicht einmal
jede zweite Tellerportion ist selbst gekocht. Über die Hälfte der
Suppen, die in Deutschland verzehrt werden, wird industriell
hergestellt. Nach Angaben des Verbandes der Suppenindustrie e.V., Bonn,
wurden 2005 in Deutschland gut 300 Tausend Tonnen Suppen und Brühen
industriell hergestellt. Rund ein Viertel der gesamten Menge entfällt
dabei auf das Großverbrauchergeschäft der Gastronomie.
Veränderte Koch- und Verzehrgewohnheiten
Der Absatz zeigt, dass Instant- und Trockensuppen auf dem Vormarsch
sind. Für Dirk Radermacher, Sprecher des Deutschen Suppeninstituts, hängt
diese Entwicklung mit den veränderten Koch- und Verzehrsgewohnheiten der
Deutschen zusammen: "Die Lust am Kochen lässt spürbar nach. Fertigsuppen
sind qualitativ hochwertige Convenience - Produkte, bei denen der
Verbraucher schnell und mit wenig Aufwand das Essen auf den Tisch bringen
kann."
Heute soll es in der Küche vor allem
schnell und ohne großen Aufwand gehen. Das bestätigt eine aktuelle
Nielsen-Umfrage. 47 % der Befragten gaben an, dass sie am liebsten Gerichte
kochen, "die schnell gehen". Kochte noch vor zehn Jahren ein Viertel der
Bevölkerung nach eigenen Angaben gern, waren es fünf Jahre später nur noch
18 %. Der Außerhaus - Verzehr von Fertigsuppen, z.B. im Büro, ist daher
stark angestiegen.
Die Deutschen essen ihre Suppe am liebsten
selber. Nur gut 5 % vom Gesamtumsatz der Suppenindustrie werden exportiert.
Die Hauptexportländer sind dabei die westlichen EU - Nachbarn mit einem
Anteil von über 50 % des Gesamtexports. Importe machten ebenfalls um 5 % des
Umsatzes aus. Hauptimporteure sind die Niederlande und Belgien. Das lässt
darauf schließen, dass unser Suppengeschmack demjenigen unserer direkten
Nachbarn in Europa ähnelt.
Der „Suppenmarkt“ (Basis: CS17.000,
Menge in %, Jahr 2005)

Quelle: GfK
Wann essen die Deutschen Suppe?
Samstag ist der Suppentag: An diesem Wochentag schätzen sie 80 % der
Verbraucher (West 76 %, Ost 90 %), zum Abendessen - am häufigsten von Montag
bis Freitag - sind es 29 % (West 28 %, Ost 31 %). Selbst zum Frühstück (1
%), zwischendurch am Vormittag (1 %) oder am Nachmittag (2 %), aber auch am
späten Abend (3 %) spielt die Suppe für manche Verbraucher eine Rolle.
Gebundene und klare Suppen liegen in der
Gunst des Verbrauchers praktisch gleich auf. Dabei gibt es keine regionalen
Unterschiede, dieses Verhältnis gilt von Nord bis Süd und im Osten wie im
Westen.
Kleine Besonderheiten: Hochzeitsuppe wird in Norddeutschland besonders gern
gegessen, Kartoffelsuppe dagegen in Bayern; die Fans der Tomatensuppe sind
im Durchschnitt jünger als Spargelsuppen-Genießer.
Die Hitliste der beliebtesten Fertigsuppen
führen alte Bekannte an. Bei den Trockensuppen sind dies:
-
Hühnersuppe
-
Frühlingssuppe und Spargelcremesuppe
gleich auf
-
Tomatensuppe
-
Zwiebelsuppe
Bei den "Nassen", den Suppen in Dosen,
lautet die Reihenfolge
-
Gulaschsuppe
-
Bihunsuppe
-
Erbsensuppe
-
Kartoffelsuppe
-
Tomatensuppe.
Bei den Eintöpfen führt Linseneintopf im
trockenen wie im Dosensegment vor Erbsen- und Gemüseeintöpfen.
Daneben zeigen die Speisekarten in den
einzelnen Regionen spezielle Vorlieben: die Flädlesuppe in Schwaben, die
rheinische Erbsensuppe mit Speck, die Hamburger Aalsuppe und - in ganz
Ostdeutschland - die Soljanka. Mannigfaltige Rezepte und
Zubereitungsalternativen bieten Abwechslung, neue Geschmacksrichtungen
werden gerne ausprobiert.
Der Suppenverzehr unterliegt starken
saisonalen Schwankungen. Auch wenn aus Sicht von Ernährungsexperten heiße
Suppen oder Getränke gerade bei Hitze gut für den Körper sind, gilt die
Suppe immer noch als Gericht für die kalte Jahreszeit. Nahezu 40 % der
Jahresproduktion werden daher in den Monaten Dezember bis März verzehrt.
Suppe bei Kindern beliebt
Kinder und Jugendliche sind keine Suppenkasper. Das ergab die "Kids
Verbraucher Analyse 1996" zum Konsumverhalten von Kindern und Jugendlichen
im Alter zwischen 6 und 17 Jahren. 60 % der befragten Kinder essen
mindestens einmal pro Woche Suppe, jeder Fünfte sogar mehrmals wöchentlich.
Damit liegt die Suppe bei Kindern noch vor Pizza, Pommes Frites und
Fischstäbchen. Dieses Ergebnis bestätigt auch eine vom Deutschen Suppen -
Institut unterstützte Diplomarbeit aus dem Jahr 1997.
Suppe darf - und muss - heiß serviert
werden
Dass eine Suppe heiß sein muss, hat nun sogar ein deutsches Gericht
festgestellt. Weil sie sich an der Vorsuppe eines Menus verbrühte, verklagte
eine Frau den Gastwirt auf Schmerzensgeld, denn - so ihr Argument - der Wirt
hätte sie auf mögliche Verbrühungsgefahren hinweisen müssen. Dies sah das
Amtsgericht Hagen anders: Wer eine noch dampfende Suppe serviert bekommt,
müsse erkennen, dass sie heiß ist. Im Übrigen bestimmten die "individuellen
geschmacklich und physiologisch bedingten Eigenheiten eines jeden Gastes",
welche Temperatur richtig ist (Amtsgericht Hagen, AZ: 14 C 149/96).
Kostbare Suppenterrinen
Suppenkultur in Verbindung mit Silberschmiedekunst liegt hoch im Kurs:
Eine Suppenterrine Paul de Lameries ist bei Christies in London für
740.000 £, rd. 2,2 Millionen Mark, versteigert worden. Die Terrine des
englischen Silberschmieds von 1750 war bei einer Routine - Schätzung eines
Esszimmerschranks in Bordeaux entdeckt und auf rd. 500.000 £ geschätzt
worden. Sie hat die Form einer auf dem Rücken liegenden Schildkröte; der
Henkel des Deckels ist als Baby-Schildkröte gestaltet.