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In die Suppen-Töpfe der regionalen
Küchen geschaut
Nur ganze fünf Suppen hat "Time &
Life" über die Küche in Deutschland zwischen Flensburg und dem Bodensee entdeckt.
Ein mageres Ergebnis, wenn man bedenkt, dass sich in der Bundesrepublik ein Rezept-Angebot
präsentiert, das es jedem Deutschen erlauben würde, jeden Tag eine andere Suppe auf den
Tisch zu bringen.
Deutschland ist ein Suppenland. Rund 100 Teller Suppe, das hat das
Deutsche Suppen-Institut in Bonn ermittelt, verzehrt der Bundesbürger pro Kopf und Jahr.
Und auch wenn feststeht, dass die Verbraucher dabei zu 60 Prozent
industriell hergestellte Suppen bevorzugen, weil es in der Küche schnell und ohne großen
Aufwand zugehen soll, genießen doch auch die von Ur-Ur-Großmutter kreierten
Suppen-Rezepte hohes Ansehen. Unabhängig davon, dass Instant-Suppen auf dem Vormarsch
sind und die Industrie jährlich über 210tausend Tonnen qualitativ hochwertiger Convenience - Produkte in Form von Suppen und Brühen auf den Markt bringt, ist immerhin
noch jede 20ste Hausfrau stolz auf ihre selbstgemachte Suppe. Dabei kann sie, was das
Angebot angeht, aus dem Vollen schöpfen.
Deutschland - führend in der regionalen Suppenvielfalt
Keine andere Küche in Europa, auch die französische nicht,
verzeichnet im regionalen Bereich eine solche Vielzahl an Suppen wie die deutsche Küche.
"Time & Life" hätte sie leicht entdecken können, die
eigenständigen Suppen - Küchen aus Sachsen, Thüringen, Westfalen, Hamburg, Bayern,
Rheinland-Pfalz, Brandenburg oder Mecklenburg - Vorpommern.
Mit Kräutern kräftig gewürzt, klar oder legiert, süß-sauer und
manchmal sogar süß, kombiniert mit einer salzigen Beilage, präsentieren die einzelnen
Regionen ihre Suppen-Spezialitäten. Etwas anders allerdings als zu
Urgroßmuters Zeiten
gart es in den Suppentöpfen. Man lässt aus ernährungsphysiologischen Gründen weg, was
unsere Altvorderen für unentbehrlich hielten.
Deutschlands Suppen sind damit nicht schlechter, aber leichter und
bekömmlicher geworden. Die von Urgroßmutter vorgegebene Geschmacksrichtung blieb
erhalten. Und heute ist Suppe ein vielfältiger Genuss ohne Reue. Begleiten Sie uns auf
einer kleinen Reise durch das deutsche Suppenland.
Suppenkult und -küche in Hamburg
Die inzwischen weltweit als 'Oxtail' bekannte Ochsenschwanzsuppe
ist keineswegs, wie man annehmen könnte, ein Produkt der britischen Insel. Ihre Wiege
stand in der Freien und Hansestadt Hamburg, die in der Vergangenheit geradezu einen
Suppenkult entwickelte und auch heute noch so etwas wie die führende deutsche Suppenstadt
ist.
An Alster und Elbe ist die Suppe nicht nur Vorgericht. Sie ist in
süßer Form auch Nachtisch und im häuslichen Bereich vor allem Hauptgericht. Zwar haben
Frankreichs berühmte schnelle, mit Ei und Sahne legierte Samtsuppen inzwischen die
hamburgische Gastronomie erobert, dennoch fehlen die schon genannte Oxtail, klar oder
gebunden, und die legendäre Hamburger Aalsuppe kaum auf einer Speisenkarte.
Die Aalsuppe, ursprünglich "Saure Suppe" mit Aalstücken und
Schwemmklößchen als Einlage, ist Hamburgs Vorzeigesuppe. Gekocht auf dem Knochen eines
Katenschinkens enthält die daraus entstandene kräftige Brühe frische Gemüse,
gedünstete Birnen, getrocknete Apfelringe, Backpflaumen, zehn verschiedene Kräuter und
Gewürze und wird mit Zucker und Essig abgeschmeckt. Die Zubereitung ist sehr aufwendig.
Deshalb steht die Aalsuppe nur noch sehr selten auf einem häuslichen Tisch. Sie, nach
Originalrezept bereitet, in einem hanseatischen Restaurant zu finden, ist inzwischen zu
einem Glücksspiel geworden.
Fein wie eh und je präsentiert sich dagegen die Hamburger Krebssuppe,
und während Nierensuppe, Mocturtle (falsche Schildkrötensuppe) oder Austernsuppe nur
noch in alten Rezeptbüchern stehen, gehören die Fliederbeersuppe mit Apfel und Klüten,
Fruchtsuppen aus Zwetschgen, Kirschen oder Bickbeeren (Blaubeeren) und die klare Hamburger
'Frische Suppe' mit reichhaltiger Gemüseeinlage zum häuslichen Suppenstandard. Da sich
der Hamburger, dem Engländer ähnlich, nur ungern ins private Umfeld (my home is my
castle) und eben auch nicht in den Suppentopf gucken lässt, kann man vermuten,
dass sich
in Bezug auf die Suppe noch sehr viel mehr tut in den hanseatischen Küchen. Wir möchten
die Vielseitigkeit der deutschen Suppen entdecken.
Die Suppe in Bayern
Wenn man bayerischen Politikern zuhört, dann ist ihr Land, das
ehemalige Königreich und der heutige Freistaat, ganz einfach "Spitze in
Deutschland". Es ist jedem überlassen, das zu glauben oder nicht. Auf Bayerns Küche
jedenfalls trifft es zu.
Beeinflusst zwar von Tiroler Köchen und italienischen Küchenmeistern,
hat sie eine Eigenständigkeit und Vielfalt entwickelt, die nahezu einmalig ist in
deutschen Landen. Was in Bayerns Töpfen an kulinarischen Spezialitäten gart, das findet
sich in keiner anderen Region.
Die Suppe gehört dazu. Bayerische Köche und Hausfrauen lassen sich am
Küchenherd nur ungern zu modernem "Schnickschnack" verführen. Sie wissen, was
ihre Leberknödel- und ihre Milzsuppe wert sind, und wie schon Großmutter und Urgroßmutter
mögen sie auf ihre Panadisuppe aus alten Semmeln, Fleischbrühe, Gewürzen und saurer
Sahne oder auf ihre mit Muskat gewürzte Grießnockerlsuppe und auf ihre Schwammerlsuppe
mit Steinpilzen, Maronen und Pfifferlingen nicht verzichten.
Natürlich - was wäre Bayern ohne sie - gibt es eine Biersuppe. Wer
Glück hat, dem präsentiert sich die vom Gründer des Englischen Gartens in München
kreierte Rumford - Suppe mit getrockneten Erbsen und Gemtengrütze heute leicht veredelt.
Entstanden sind all diese Suppen in ländlichen Gemeinden Bayerns und
haben vom Dorf aus die Städte und ehemals sogar den königlichen Hof erobert. Auch
Bayerns Majestäten delektierten sich, vielleicht etwas feiner aufbereitet, an Kräutl-
und Bayerischer Brotsuppe.
Und dabei haben Bayerns Köche nicht viel tun müssen, um ihre Suppen
einer modernen Ernährung anzupassen. Sie waren auch im Original nie so schwer wie Suppen
aus Deutschlands Norden. Eine arme niederbayerische Bäuerin hat eben nie mehr in ihre
Suppe brocken können, als ihr an Zutaten zur Verfügung stand. Dass sich die Suppen
einmal als feine Spezialitäten anbieten würden, die selbst dem König munden würden,
haben die Bäuerinnen damals wohl kaum geahnt.
Suppen in Mecklenburg - Vorpommern - vielfältig anders
Deutschlands nördlichstes Suppenland reicht von Flensburg bis zur
vorpommerschen Insel Usedom. Dabei allerdings unterscheidet sich die Suppenküche
Holsteins nur wenig von der Hamburger Küche. Während, was in mecklenburgischen und
vorpommerschen Töpfen gart, sich sehr eigenständig präsentiert.
Hier im ehemaligen Großherzogtum, dem "Landeien", wie
Spötter das Land mit seiner einmalig schönen Seenplatte nennen, spielt die Suppe als
Vorspeise eine kleine, aber als Hauptgericht eine führende Rolle. Fast alles, was Land
und die nahe Ostsee an nahrhaften Produkten liefert, wird in Mecklenburg-Vorpommern zu
einem herzhaften Eintopf und zu Suppen mit zum Teil ungewöhnlicher Zusammenstellung
verarbeitet.
Schon der plattdeutsche Vorzeigedichter des Landes, Fritz Reuter,
wusste, "worüm Arven menniglich god smecken" und genoss ein Leben lang die mit
Milch, Eiern, Zitronenschale, Zimt, Mehl und Vanillezucker zubereitete Kliebensupp oder
aber die süße Körbsensuppe (Kürbissuppe), die man mit Erdbeer- oder Apfelsaft
verfeinert.
Immer wieder spielt die Milch in der Suppenküche dieses nördlichen
Bundeslandes eine besondere Rolle: ob nun als einfache Milchsuppe mit Roggenklüten, als
mit Eigelb abgerührte Suppe mit Birnen, als Buttermilchsuppe, die man mit Konfitüre von
schwarzen Johannisbeeren würzt, oder als Boddermelksuppe, die mit Tüften (Kartoffeln),
etwas Zitronensaft und einem großen Stück Räucherspeck den kräftigen Geschmack geben.
Eine Kartoffelsuppe gibt es fast in allen deutschen Landesteilen, aber
nur im Bundesland Mecklenburg-Vorpommem sind neben Speck und Suppengrün getrocknete
Pflaumen wichtigster Bestandteil. Nur im Seenland wird, mit Fischfond und einer
karamelisierten Masse, auch Zucker und Mehl, der Schellfisch zu einer Suppe verarbeitet.
Mit der Vielfalt des Angebots ist Mecklenburg - Vorpommern (mit Bayern) führendes
'Suppen'-Bundesland.
Die Suppen in Berlin / Brandenburg
Der Spottname für das Land, nämlich "des Heiligen Römischen
Reiches Deutscher Nation Streusandbüchse," weist eigentlich eher darauf hin, dass
Schmalhans Küchenmeister war im Lande Brandenburg mit seiner Hauptstadt Berlin.
Der Boden dieser Region mit seiner unfruchtbaren Märkischen Heide gab
nicht viel her, und die vielzitierte preußische Sparsamkeit lässt kaum darauf
schließen, dass die Bewohner leiblichen Genüssen besonders zugetan waren.
Aber weit gefehlt. So gern, wie der "alte Friedrich" die
Querflöte spielte oder unnütze Kriege führte, hat Friedrich der Große auch gern und
gut gegessen. Böhmische Zuwanderer und Hugenotten prägten die Brandenburgische und
Berliner Küche. Des großen Friedrich Küchenchef war Franzose und nicht etwa irgendein
Koch, sondern ein leibhaftiger, ehrbarer Universitätsprofessor. Er war Autor des Buches
"Wie man in Berlin zur Zeit der Königin Luise kochte".
Den "Newton der Suppenküche" nannte man Friedrichs Chefkoch,
leider aber sind seine zumeist wohl französischen Rezepte nicht eingegangen in
Brandenburgs Küchengeschichte. Das gemeine Volk konnte sich nicht leisten, was in den
Töpfen des Hofes und Großbürgertums zubereitet wurde. Doch von den so
genannten
"Arme-Leute-Suppen" schmücken heute einige die Speisenkarten von
Gourmet-Tempeln.
Wie zum Beispiel die auf Rauchfleisch mit Zucker, Sirup und
Backpflaumen hergestellte Graupensuppe und des Landes berühmtester Eintopf, die Berliner
Kartoffelsuppe. Ein Treppenwitz der Küchengeschichte, dieses Süppchen:
Ausgerechnet Kartoffeln, die Friedrich der Große 1750 nur mit
Zwangsmaßnahmen zum Anbau bringen konnte, sind Hauptbestandteil dieser weit über Berlins
Grenzen hinaus bekannten Spezialität. Und die hat es auch wirklich in sich. Die Vielzahl
der Zutaten, wie Lauch, Sellerie, Möhren, Zwiebeln, Rauchspeck, saure Sahne, Lorbeer,
Kümmel, Wacholderbeeren, Majoran, Muskatblüte, Petersilie und Kerbelblättchen, geben
der Berliner Kartoffelsuppe den unvergleichlichen Geschmack.
Gut neben ihr sehen lassen kann sich, mit edelsüßem Paprika und einem
Spritzer Cognac gewürzt, die Brandenburgische Krebssuppe mit Spargelspitzen. Noch zu
nennen wären eine Bier - Kaltschale mit Korinthen und geriebenem Schwarzbrot und eine
Warmbiersuppe, mit der Friedrich des Großen geiziger Vater seinen Sohn großgezogen haben
soll.
"Allerlei" aus der Suppenküche Sachsens
"Dann macht doch Euren Dreck alleene." Also sprach, als
Philip Scheidemann 1918 in Berlin die Republik ausrief, vor seinem Rücktritt Sachsens
letzter König und überließ es damals seinem Volk, die Suppe auszulöffeln, die ihm die
Monarchie eingebrockt hatte.
So kam es, dass das berühmte "Leipziger Allerlei", zum
ersten Mal serviert bei einem Leipziger Magisterschmaus und von Johann Wolfgang von Goethe
in "Auerbachs Keller" genossen, sich zu einer simplen gemischten Gemüsesuppe in
Dosen entwickelte und damit dennoch weltberühmt wurde.
Den einfachen Sachsen hat das nie besonders angefochten. Er hatte auch
zu guten Zeiten kaum die Mittel für das echte "Allerlei" mit Krebsschwänzen,
Krebsnasen, Krebsbutter, süßer Sahne und feinen Frühgemüsen. Er verließ sich, wenn
sie dunkeiblau am Busch reiften, auf seine Fliederbeeren, die er mit Pflaumen, Kochbirnen,
Milch und aufgeschlagenem Eiweiß zur "Sächsischen Fliederbeersuppe"
verarbeitete. Meistens zum Wochenende stand eine große Kumme mit dicker Brotsuppe auf den
Mittagstischen der Bauern und erzgebirgischen Holzschnitzern. Vermischt mit einer Brühe,
bestand sie aus Roggenbrotwürfeln, Zwiebeln, etwas Butter, süßer Sahne, wenn das Geld
reichte, und wurde mit Mehl legiert. Reichlich genutzt wurden und werden die in den
Bergwäldern wachsenden Pilze. Jedes essbare Schwämmerl, Steinpilz, Butter- und
Birkenpilz gart, auf Räucherspeck gekocht, mit Salz und Pfeffer gewürzt und mit süßer
Sahne und Butter veredelt, zu einer rechten Festtagssuppe in den sächsischen Töpfen.
Die typische Sachsensuppe, später auch in Preußen beliebt, gilt als
seltsame, aber sehr schmackhafte Mischung aus dunklem Bier und Milch, die man mit Eigelb
abrührt und mit Zimt, abgeriebener Zitrone und kandiertem Ingwer würzt.
Besonders vielseitig präsentiert sie sich nicht, die Suppe in Sachsen,
aber vielleicht haben Kochbuch-Autoren auch nicht in jeden Topf geguckt. Wer weiß, was da
noch im Verborgenen blüht.
Die Suppe in Thüringen
Fast alles, was die Sachsen löffeln, das schmeckt auch den
Thüringern. Nahezu übergangslos steht auf den Speisenplänen der Dörfer und Städte im
Thüringer Wald auch das, was Erzgebirgler, Leipziger oder Dresdener mögen, also
Warmbiersuppe, Suppe aus Mischpilzen oder die einfache Brotsuppe.
Aber: Protest, Protest! So, wie kein Thüringer es verwinden kann, wenn
man ihm nachsagt, dass er sächsisch spräche, so wenig wird er hinnehmen,
dass seine
Suppenrezepte ausschließlich vom ungeliebten Nachbarn stammen.
Die berühmte "Biddersilchsbrühe" zum Beispiel, die gibt es
nicht in Leipzig oder Chemnitz. Nach Original-Rezept auf Taubenfleisch gekocht, vermischt
mit abgeriebenen Semmeln, gewürzt mit Salz, Pfeffer und Muskat, abgerührt mit Eigelb und
serviert mit Möhren, Knollensellerie, Lauch und Petersilienwurzeln, präsentiert sich
hier ein Gourmet - Süppchen, das mindestens zwei Michelin-Sterne verdient.
Als Vorsuppe für jedes exklusive Menü empfiehlt sich neben der
Biddersilchsbrühe Thüringens unverwechselbare Riebelebrüh, ein Süppchen für
Feinschmecker und Freunde einer schnellen Küche. Da wird ganz einfach eine kräftige
Rinderkraftbrühe gekocht, in die der Koch aus einem mit Muskat gewürzten
Mehl-Butter-Eier-Salz-Petersilien-Teig kleine Flöckchen krümelt und gart. Und noch eine
Spezialität aus dem schönen Waldgebirge - Land: Mit Mehl und Butter legiert, ergibt eine
Mischung aus heller Brühe und Weißwein mit Einlage von gehacktem Kalbshirn, das separat
in Salz-Essigwasser gekocht wird, Thüringens Hirnsuppe. Man sieht: Es ist doch nicht
alles sächsisch, was auch thüringisch ist.
Die Suppe in Rheinland-Pfalz
Es versteht sich beinahe von selbst,
dass in einem Land, an dessen
Hängen die Reben reifen und das durch seine in Fässern reifenden Weine weltberühmt ist,
der vergorene Rebensaft auch in der Küche eine bedeutende Rolle spielt.
Bis in den Norden hinauf hat sich dabei herumgesprochen,
dass ein
feiner Riesling nicht nur Saucen veredelt, sondern auch als Suppe eine Delikatesse ist. So
wurde die - im Rheinland allerdings weitgehend unbekannte - Weinsuppe, die mit Sago
angedickt und mit Eigelb legiert wird und zu der man Weiß- oder Vollkornbrot mit Schinken
genießt, sogar zu einem kulinarischen Aushängeschild Schleswig-Holsteins.
Dafür revanchieren sich denn die Moselaner mit einer Kopie der
Hamburger Aalsuppe. Wie an der Elbe wird die Suppe mit frischen Gemüsen und vielen
Kräutern zubereitet. Anders allerdings als in Hamburg würzen weder Essig noch Zucker die
Aalsuppe der Mosel. In Wein gedünstete Birnenschnitten geben den Geschmack, und die
Brühe wird auf Rindfleisch und nicht auf geräuchertem Schinken gekocht. Auch süß mag
man im Rheinland den Wein in der Suppe. Zimt, Zucker und abgeriebene Zitrone geben dem
Süppchen die Würze, das mit kaltem Wein und Stärkemehl legiert wird, kleine Klöße und
Rosinen als Einlage und ein Häubchen aus mit Zucker aufgeschlagenem Eiweiß enthält.
Auch der Weinmost wird, einfach mit Eigelb und Sahne abgerührt, eine
Suppe. Und kräftig mit Weißwein aufbereitet ergeben getrocknete Früchte die Rheinische
Birnensuppe. Natürlich geht es auch bei der sehr aufwendigen, auf magerem Speck mit
vielen Gewürzen zubereiteten Kaninchensuppe nicht ohne Wein: Ein kräftiger Roter gibt
den Geschmack.
Riebelesuppe aus Milch und Nudelteig oder Sauerampfersuppe mit viel
Kartoffeln und reichlich saurer Sahne verzichtet auf den Zusatz von Rebensaft. Fazit: Was
man isst in Rheinland-Pfalz, das trinkt man auch - ungemischt natürlich.
"Viel Ungewöhnliches zu entdecken" - Suppen in Nordrhein-Westfalen
Mit "Durchgemüse" hatte man es lange Zeit im
westfälischen Land, der Region mit dem berühmten "Schinken" und der kräftigen
Küche, zu der auch der genannte Gemüse-Eintopf zählt, der als dicke Masse auf den
Teller kam und mit der Gabel gegessen wurde.
Inzwischen sind solche Gerichte ein
bisschen flüssiger geworden, aber
auch als Suppe noch immer sehr inhaltsreich. Wie zum Beispiel beim
"Gänsefutter" oder "Blindhuhn". Da gehören nicht nur ein großes
Stück Rindfleisch und weiße Bohnen in die Suppe, sondern auch Kartoffeln, Möhren,
Stangenbohnen, reichlich süßsaure Äpfel und Zwiebeln.
Selbst mit einer ganz normalen, auf Pökelfleisch gekochten Bohnensuppe
allein gibt man sich nicht zufrieden. Westfälisch ist die Suppe erst, wenn dazu Mehl-
oder Kartoffelpfannkuchen gereicht werden. Und wie selbstverständlich gehören die auch
zur Fitzebohnensuppe aus Rindfleischbrühe, Schnippelbohnen und Kartoffeln. Überhaupt hat
man es in diesem Bundesland mit den Beilagen zur Suppe. Dabei ist zum Beispiel Westfalens
Erbsensuppe mit eingelegtem Hering als Beilage gewöhnungsbedürftig und hat die Grenzen
zu den Nachbarländern bisher nicht überschritten.
Das gilt auch für die "Graue Grete", eine Mischung aus
Backpflaumen, Backobst und viel Milch, in der trockenes Brot und Brotecken gekocht werden.
Insgesamt unterscheidet sich die Suppenküche im Nordrheinischen und Westfälischen von
allen anderen Bundesländern. Nirgendwo findet man auch nur annähernd ähnliche Rezepte,
und das macht den Reiz dieser Küche aus.
Nordrhein - Westfalen und seine sehr eigenständigen Suppen wollen
entdeckt werden. Wobei der Bürger aus anderen Ländern angesichts der Rezepturen
natürlich sehr oft fragt, ob "das denn eigentlich schmeckt". Probiert es mal
und "Laotet et ugge guet schmecken", empfiehlt der Westfale, und der ist bekannt
dafür, dass er weiß, was schmeckt.
Kontakt: Deutsches
Suppen-Institut
Dirk Radermacher
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